Wie finde ich einen Therapeuten

Wie finde ich einen Therapeuten?

Wer schon mal versucht hat, schnell einen Psychotherapeuten zu finden, merkt bald: so wirklich schnell ist nicht drin. Passend dazu fragt Christina (26) per Mail: Wie finde ich einen Therapeuten?

In diesem Artikel finden Sie alles, was Sie wirklich wissen müssen, um sich im Therapeuten-Wirrwarr zurechtzufinden. Ein Grundkurs quasi. Drumherum gibt es aber auch noch einiges zu wissen und zu entdecken, deshalb ist es am Ende eine Mini-Serie mit vier Artikel geworden, die wöchentlich erscheinen:

  1. Teil: Schritt für Schritt zum Therapeuten
  2. Teil: Heilpraktiker für Psychotherapie
  3. Teil: Richtlinienverfahren
  4. Teil: Systemische Therapie

Für was benötigt man eine Psychotherapie?

Eine Psychotherapie wird benötigt, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt. Eine psychische Erkrankung muss diagnostiziert werden. Dies geschieht in Deutschland mit Hilfe des ICD 10, das ist die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme und wird von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben. In diesem Verzeichnis stehen alle Erkrankungen und anhand welcher Symptome sie erkannt werden können.
Wenn die Krankenkasse die Psychotherapie übernehmen soll, muss also eine psychische Erkrankung vorliegen. Das ist dann der Fall, wenn

krankhaft beeinträchtigt sind (natürlich reicht schon eines dieser Merkmale, es müssen nicht alle fünf sein).

Ob eine psychische Erkrankung vorliegt, stellt der Psychotherapeut fest (die Diagnose Ihres Ex-Partners beim letzten Treffen können Sie also getrost vergessen). Zunächst müssen jedoch noch körperliche Ursachen für die Erkrankung ausgeschlossen werden, weshalb Sie bei Ihrem Hausarzt einen Konsiliarbericht erstellen lassen. Dieser Bericht landet dann beim Psychotherapeuten. Übrigens benötigen Sie für das Aufsuchen eines Psychotherapeuten keinen Überweisungsschein, ein oder zwei Probleme genügen.

Ablauf der ersten Termine

Seit April 2017 wurden einige Neuerungen für Psychotherapeuten mit Kassenzulassung eingeführt: die psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung. Sie sollen sicherstellen, dass Patienten in Zukunft schnelleren Erstzugang zu einem Psychotherapeuten erhalten. Ob das wirklich funktioniert wird die Zeit zeigen. Zu wünschen wäre es jedenfalls.

Die psychotherapeutische Sprechstunde dient dazu, um festzustellen, ob eine psychische Erkrankung vorliegt. Sie kann maximal drei Mal stattfinden. Ist dies der Fall, kann mit einer Akutbehandlung begonnen werden (maximal 12 Therapiestunden). Aus der Akutbehandlung kann, wenn notwendig, eine Psychotherapie (häufig 25 – 50 Therapiestunden) werden. Für die Akutbehandlung ist kein Antrag bei der Krankenkasse notwendig, es reicht das Vorlegen der Versichertenkarte.

Wir haben also:

  1. Psychotherapeutische Sprechstunde
  2. Probatorische Sitzung (siehe nächster Absatz)
  3. (Konsiliarbericht)
  4. Akutbehandlung
  5. (Psychotherapie)

Bis jetzt ist die psychotherapeutische Sprechstunde ein „Kann“. Ab April 2018 ist sie verpflichtend.

Vor Beginn der Akutbehandlung oder der antragspflichtigen Psychotherapie finden probatorische Sitzungen statt. Was so beeindruckend klingt, sind eigentlich nur Probesitzungen. Sie sind da, um festzustellen, ob die Chemie zwischen TherapeutIn und KlientIn passt und ob eine Psychotherapie überhaupt in Frage kommt. Diese Probesitzungen umfassen 2-4 Termine. Dann folgt der bereits oben erwähnte Konsiliarbericht, also eine ärztliche Untersuchung und anschließend der Antrag bei der Krankenkasse. Den füllt der Psychotherapeut mit Ihnen gemeinsam aus und reicht ihn bei Ihrer Krankenkasse ein.

Wo und wie starte ich die Therapeutensuche?

Bild: Kompass; Wie finde ich einen Therapeuten?
Am effektivsten ist wohl die Internetsuche. Hier findet man schnell Namen und vor allem Webseiten, auf denen man sich über die Praxis und den dazugehörigen Therapeuten informieren kann. Natürlich kann man auch über die klassischen gelben Seiten oder das Telefonbuch aus Papier suchen. Was die verschiedenen Titel der Therapeuten bedeuten, erfahren Sie weiter unten bei Welche Arten von Therapeuten gibt es.

Hilfreich bei der Suche sind die Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg www.arztsuche-bw.de. Hier sind die meisten kassenzugelassenen PsychotherapeutInnen in Baden-Württemberg aufgelistet. Kassenzugelassen bedeutet, dass die Krankenkassen die Kosten für eine Psychotherapie bei diesem Therapeuten übernehmen. Das ist bei der Mehrzahl der PsychotherapeutInnen der Fall.

Über die Suchmaske können Sie verschiedene Suchfilter (Arztgruppe, Name, PLZ, Landkreis) auswählen und erhalten am Ende eine (oft lange) Liste möglicher Therapeuten. Häufig sind auch die Webseiten der PsychotherapeutInnen verlinkt. Eine Telefonnummer ist immer angegeben.

Die Google-Suche „Psychotherapie“ und Ihr Wohnort sollte ebenfalls einige verlässliche Treffer erbringen. Allerdings müssen Sie hier genau prüfen, ob die Behandlung von den Krankenkassen übernommen wird oder nicht. Das steht normalerweise auf den Internetseiten des Psychotherapeuts. Wenn nicht, empfinde ich das eher als Zeichen von Unseriosität.

Auch die Suche über www.jameda.de kann hilfreich sein. Hier haben PatientInnen die Möglichkeit, Bewertungen abzugeben. Hier bitte immer im Hinterkopf behalten, dass die Beurteilung eines Psychotherapeuten stark subjektiv ist.

Es ist sinnvoll, Termine bei mehreren Therapeuten zu vereinbaren, notieren Sie sich dann am besten Name und Datum. Falls Sie nämlich Ihren ersten Termin wahrnehmen und Sie fühlen sich nicht wohl, dürfen Sie ohne weitere Begründung den nächsten Therapeuten aufsuchen. Und dafür wollen Sie nicht weitere Wartezeit in Kauf nehmen, sondern lieber den Termin wahrnehmen, der als zweites auf Ihrer Liste steht.

Falls Sie sich bei einem Therapeuten wohlfühlen und keine weiteren Termine bei anderen TherapeutInnen wahrnehmen möchten, sagen Sie die ausstehenden Termine bitte unbedingt ab, damit die nächste Person in der Warteliste aufrücken kann.

Welche Arten von Therapeuten gibt es?

Der Begriff Psychotherapeut ist geschützt. Es gibt ärztliche Psychotherapeuten, psychologische Psychotherapeuten und Heilpraktiker für Psychotherapie. Für Kinder und Jugendliche gibt es Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Alle genannten Psychotherapeuten verfügen über eine Approbation (Zulassung zur Ausübung des Berufs). Heilpraktiker für Psychotherapie haben nach dem Heilpraktikergesetz die Erlaubnis zu heilen und dürfen ebenfalls Psychotherapie ausüben. Nächste Woche erkläre ich Ihnen im zweiten Teil der Serie den Heilpraktiker für Psychotherapie genauer.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Therapeutenarten habe ich zur besseren Darstellung in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

Psychologischer Psychotherapeut
Hat Psychologie studiert
Zu erkennen am Dipl. Psychologe oder Psychologe M. Sc.
Hat eine Psychotherapieausbildung absolviert
Darf sich psychologischer Psychotherapeut nennen
Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen, falls der Therapeut eine Kassenzulassung besitzt.
Kann keine Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen
Heilpraktiker f. Psychotherapie
Studium ist nicht erforderlich
Zu erkennen an der Bezeichnung Heilpraktiker für Psychotherapie
Hat eine Erlaubnis als Heilpraktiker Psychotherapie bei der zuständigen Landesbehörde erworben (Prüfung).
Darf sich Heilpraktiker für Psychotherapie nennen. Spielarten sind möglich. Die Bezeichnung Psychotherapeut ist nicht zulässig.
Wird je nach Abschluss von privaten Krankenversicherungen oder mit Zusatzversicherung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Wird nur in Ausnahmefällen über das Kostenerstattungsverfahren von den gesetzlichen Kassen übernommen.
Kann keine Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen

Für welche Art von Therapeut Sie sich entscheiden, ist letztlich Geschmackssache. Sowohl der psychologische Psychotherapeut als auch der Heilpraktiker Psychotherapie werden Sie an einem Arzt/ärztlichen Psychotherapeuten verweisen, wenn es notwendig sein sollte.

Therapieverfahren

Bisher tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Richtlinienverfahren: Verhaltenstherapie und psychoanalytisch begründete Verfahren. Weil ich den Umfang dieses Artikels (und Ihre Geduld) nicht überstrapazieren möchte, finden Sie Informationen zu diesen beiden Verfahren im dritten Teil dieser Serie in den nächsten Wochen. Die systemische Therapie ist vom wissenschaftlichen Beirat anerkannt, zählt aber (noch) nicht zu den Richtlinienverfahren, weshalb sie nur im Rahmen der Kostenerstattung (teilweise) von den Krankenkassen übernommen wird. Weitere Infos zur systemischen Therapie gibts im vierten Teil.

Wie entscheide ich mich für einen Psychotherapeuten?

Ganz einfach: nach Gefühl. Nicht nach Bewertungen, nicht nach Empfehlungen von Verwandten, Bekannten oder Arbeitskollegen. Verlassen Sie sich einfach ganz auf sich selbst in dieser Frage. Denn Sie werden dieser Person die nächsten Monate gegenüber sitzen.
Bild: verschlossene Türen
Für den Erfolg Ihrer Therapie ist die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Therapeuten genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als die Methoden. Deshalb lassen Sie sich von Beurteilungen im Internet nicht über Gebühr beeindrucken. Wir alle haben unterschiedliche Sympathien und eben auch Antipathien. Meine Empfehlung ist daher: schauen Sie sich jeden Psychotherapeuten möglichst unvoreingenommen an und verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl.

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