Das richtige Therapieverfahren

Was ist das richtige Therapieverfahren?

Was ist das richtige Therapieverfahren für mich?

Sie haben von Ihrem Hausarzt eine Überweisung bekommen oder suchen auf eigene Faust einen Psychotherapeuten? Wie Sie überhaupt nach einem Therapeuten suchen und was die verschiedenen Bezeichnungen zu bedeuten haben, können Sie bei„Wie man einen Therapeuten findet“ und bei „Heilpraktiker für Psychotherapie“ nachlesen. Ihre nächste Herausforderung ist das für Sie richtige Therapieverfahren. Aber was ist das richtige Therapieverfahren? In diesem Artikel stelle ich Ihnen die gängigsten Therapieverfahren vor: die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierten Verfahren und die systemische Therapie. Danach können Sie sich fundiert für ein Verfahren entscheiden.

Die Richtlinienverfahren

Wissenschaftliche Studien haben die Richtlinienverfahren als wirksam eingestuft und werden von der Krankenkasse übernommen. Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Verfahren gehören dazu.

Die Verhaltenstherapie

Die Grundidee ist, dass jedes menschliche Verhalten erlernt ist. Wenn wir für ein Verhalten belohnt werden, oder positive Erfahrungen machen, verhalten wir uns mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder so. Wenn wir für ein Verhalten bestraft werden, oder negative Erfahrungen machen, verhalten wir uns wahrscheinlich nicht mehr so. Ein sehr einfaches, wenn auch schmerzhaftes Beispiel ist der Griff auf die heiße Herdplatte von kleinen Kindern. Trotz mehrfacher Warnung verbrennen sie sich irgendwann leicht. Danach haben Kinder gelernt, dass die Herdplatte heiß ist und schmerzt und passen in Zukunft tatsächlich besser auf. Sucht entsteht auf dieselbe Weise.

Bild: Zwei Sessel;Therapieverfahren;Verhaltenstherapie

Wenn Verhalten erlernt werden kann, kann es auch wieder verlernt werden. Das ist der Wirkmechanismus dieser Methode.

Die Verhaltenstherapie setzt den Fokus weniger auf Ihre bisherigen Lebenserfahrungen, sondern eher auf das aktuelle Problem und die Beschwerden. Um Probleme zu überwinden, übt der Patient neue Sicht- und Verhaltensweisen. Beispielsweise im Rollenspiel, in Gedankenspielen oder der wahrscheinlich bekanntesten Methode: der schrittweisen Gewöhnung an Angstreize.

Die Krankenkassen übernehmen 25 bis etwa 50 Termine.

Tiefenpsychologisch fundierte Verfahren

Die tiefenpsychologisch fundierten Verfahren bestehen aus verschiedenen Richtungen. Sie betrachten weniger das sichtbare Verhalten wie in der Verhaltenstherapie, sondern vielmehr zugrundeliegende unbewusste psychische Vorgänge.

Unbewusste Konflikte oder verdrängte Erinnerungen spielen eine große Rolle, da diese Verfahren davon ausgehen, dass sie das aktuelle Verhalten beeinflussen. Diese unbewussten Prozesse werden mit Unterstützung des Therapeuten bewusst gemacht. Die tiefenpsychologisch fundierten Verfahren finden im Sitzen statt und häufig werden Konflikte im Hier und Jetzt festgemacht. Die Krankenkassen übernehmen etwa 50 – 100 Stunden.

Ihren Ursprung hat dieses Verfahren in der analytischen Psychotherapie. Ja genau, das ist jene Methode, die bevorzugt in Filmen dargestellt wird: eine Couch und ein Therapeut der wissend nickt. Die analytische Psychotherapie gehört ebenfalls zu den Richtlinienverfahren. In dieser Therapieform werden 80 bis 240 Stunden von der Krankenkasse übernommen. Es handelt sich hierbei um eine Langzeittherapie. Im Gegensatz zu tiefenpsychologisch fundierten Verfahren spielt das Hier und Jetzt eine untergeordnete Rolle.

Bild: Schwarze Couch;tiefenpsychologisch fundiert

Die systemische Therapie

Die systemische Therapie ist wissenschaftlich anerkannt. Die Krankenkassen übernehmen die Behandlung aber nur in Ausnahmefällen. Wenn Sie sich also für diese Therapiemethode entscheiden, müssen Sie die Kosten selbst tragen. Weil sie sich aber steigender Beliebtheit und Verbreitung erfreut, soll auch sie hier ihr Plätzchen erhalten.

Bild: Mobile für Kinder; systemische Therapie

Die systemische Therapie setzt ihren Fokus auf den sozialen Kontext in den ein Klient eingebettet ist. Das können die Familie, die Partnerschaft oder das Arbeitsteam sein. Grundsatz ist, dass jedes Verhalten einen Sinn hat und auch gute Gründe dafür existieren. Es gibt also nicht das Problemkind, sondern das Kind zeigt ein Verhalten, das auf den Beziehungen und Strukturen der Familie beruht. Beispielsweise kann ein bettnässendes Kind eine gute „Ablenkung“ für die Eheprobleme der Eltern sein.

Die Therapie kann im Einzelsetting oder mit allen beteiligten Personen stattfinden. Können nicht alle beteiligten Personen anwesend sein, werden sie durch verschiedene Techniken gedanklich mit einbezogen.

Eine der wahrscheinlich bekanntesten Methoden ist die paradoxe Intervention. Hier soll der Klient als Hausaufgabe genau das Verhalten zeigen, das die Probleme verursacht.

Die systemische Therapie arbeitet lösungsorientiert, das heißt, bisherige Lebenserfahrungen werden nicht kleinteilig aufgearbeitet. Zu Beginn wird eine klare Auftragsklärung vollzogen und ein messbares Ziel festgelegt.

Es werden insgesamt nur wenige Termine in größerem Abstand veranschlagt, damit zwischen den Terminen genügend Zeit bleibt, neues Verhalten oder neue Sichtweisen auszuprobieren oder auch kleine Hausaufgaben auszuführen.

Fazit

Es versteht sich von selbst, dass ich hier nur einen sehr kurzen Überblick über die verschiedenen Verfahren geben kann. Aber von hier aus können Sie mit Basiswissen weiter recherchieren. Es sei noch gesagt, dass alle Verfahren auch Methoden anderer Verfahren anwenden und einsetzen. Eine ganz strikte Trennung findet meist nicht statt. Jede Therapierichtung hat ihre Berechtigung und alle wirken. Für welche Sie sich entscheiden ist also ganz alleine Ihre Entscheidung.

Wenn Sie Hilfe bei der Suche nach einem Therapieplatz benötigen, oder sich für eine psychologische Beratung interessieren, kontaktieren Sie mich über info@richtungswechsler.de.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den verschiedenen Therapierichtungen gemacht? Hinterlassen Sie mir einen Kommentar!

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